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Frontbericht Samstag 09.05.2015

bob_16042016_0103_b07.15 Uhr

Wir erreichen mit unserem Vordetachement „Hamburgerhill“. Ein für viele BOBler mystischer Ort. Hier haben wir unsere ersten Schlachten geschlagen denke ich mir in diesem Moment…..und gehörig auf die Mütze gekriegt! Wird heute sicher anders sein, wir können uns diesmal verteidigen und mit guten Stellungen den Hill halten…..spürbarer Optimismus steigt in mir auf. Dazu passt das Morgengezwitscher der Vögel und die aufgehende Sonne die sich im Wald wunderschön spiegelt. Schnell werde ich mir bewusst dass es nun mit den romantischen Gedankenspiele vorbei ist, zu viele Schlümpfe sind an diesem Morgen anwesend und müssen instruiert werden. Rasch hat Major Rein“hard“ (was für ein Kampfname das doch eigentlich ist..) eine Sitzung mit uns Offizieren einberufen um die Taktik zu besprechen. 8 Stellungen sollen es sein, verteilt auf das Platoon von Lt. T. Schneiter und das von meiner Wenigkeit. Wir teilen uns auf, Schneiter T nimmt 4 Stellungen in östlicher und südöstlicher Richtung vom Hill ein, ich lasse meine Leute auf der südwestlichen, westlichen und nördlichen Seite graben…..diese Wort „graben“, wie es doch immer wieder zu euphorischen Glücksmomenten und glänzenden Äuglein bei einigen Privates hervorruft….als wären die in einem früheren Leben alle Maulwürfe gewesen….bei Privat Noah wohl eher ein rammliges Kaninchen. Rasch werden die Aushübe der Gräben ersichtlich. Erstaunlich auch die Maulwurfqualitäten der Gebrüder Meerstetter…kaum aus der Stadt raus wird bei den beiden gegraben als gäbe es kein Morgen! Nun, soll es uns recht sein denke ich und schweife mit meinen Gedanken zum bevorstehenden Gefecht. Ob es diesmal wohl ein ernst zu nehmende Truppe gibt die uns fordert. Leider sind wir nur 15 BOBler (der grösste Teil sollte wohl bald eintreffen), aber das wird sowieso reichen da unsere Gegner noch nie in einer ähnlichen Zahl erschienen sind. Siegessicher baue ich meine Stellung auf und kurz darauf begrüssen wir alle freudig unsere Kameraden die es nun ebenfalls an die Front geschafft haben. Klar doch, zuerst einmal ein Schluck „arschkaltes“ Panzerwasser aus der heiligen Flasche unsere Kaplans….hebt die Stimmung bereits auf ein Maximum, unschlagbar fühlen wir uns.

09.30 Uhr

Uhr Seit rund 30 Minuten sitzen wir nun in unseren Stellungen, 30 Minuten seit das Gefecht offiziell frei gegeben wurde. Weit und Breit kein gegnerischer Globi sichtbar….macht den Anschein als wäre da der Mut zum Angriff eher tief. Trotzdem liegt heute Etwas in der Luft, es ist anders als bisher, ein beklemmendes Gefühl kommt in mir hoch das sich nicht erklären lässt……und dann die ersten Feindkontakte die gemeldet werden. Schlumpf Ruben meldet Feindkontakt…..es ist aber Major R. der wohl am westlichen Hang eine Begehung (was weis ich welcher Art auch immer) macht….kann passieren wenn man frisch im Feld ist und der Adrenalinspiegel vom Hals hoch bis zu den Ohren rauskommt….Schulter klopfen und weiter beobachten lassen heisst es in solchen Momenten.

09.45 Uhr

…und dann sind sie da, am westlichen Hillzipfel bringen sich rund 10 Globis mit einer russischen Fahne, Sichel und Hammer auf rotem Grund, in Stellung. Schei…denke ich mir, hat jetzt Scheidegger die Front gewechselt und macht sich mit einer EVP-Fraktion für einen Hügelsturm bereit? Fehlanzeige merke ich bald, das müssen ernst zu nehmendere Gegner sein, viel zu taktisch wie sie sich aufstellen…und ganz ruhig…Scheidegger hätte schon längst gequaselt oder laut gefurzt. Während ich für mich lächle und an unser Taussendsassa denke der leider heute nicht da ist werden bereits weitere Feinkontakte aus der südlichen Front gemeldet..!..auch da rund 10 Personen….und mein beklemmendes Gefühl verstärkt sich weiter. Sofort gehe ich in meine Stellung, wo der Treue Funker Stulz bereits in ein Gefecht verwickelt ist. Rasch wird mir klar dass es heute heftig wird. Kopf unten halten wird nun zur Devise, die Globis schiessen scharf und die Taktik scheint auch nicht von Mama zu kommen, eher von nicht schlechten Eltern mit Betonung auf die väterliche Prägung. Wuchtig kommen die Salven, in regelmässigen Abständen und längst halten Stulz und ich Korrespondenz mit den Ameisen die am Boden kriechen…..erste Männer von uns werden getroffen, aber auch wir schlagen uns tapfer und die erste Welle scheint zu verebben. Ich muss raus hier denke ich, habe es nicht gerne den Überblick zu verlieren. Private Spreng, unser Wiesel und zuständig die fehlenden Männer an den Stellungen jeweils zu ersetzten, übernimmt meinen Platz ein damit ich mir ein Bild der Lage machen kann. Immer wieder schreien die Russen am Nordhang bei Ihren Angriffen….schlimmer als wenn ein ganzer Kuhstall seit Tagen nicht mehr gemolken worden ist…..und dann bröckelt unsere Verteidigungslinie ein erstes Mal. Die Responszone ist gut besucht, wie bei Novartis in der Mittagspause die Mensa…..und doch schaffen wir es immer wieder, mit vereinten Kräften den Nordhang zu halten. Von Minute zu Minute wird die Lage unübersichtlicher, überall fallen Männer, es wird diskutiert und lamentiert….die vielen verbalen Diskussionen, das Geschnatter kämpfender und verzweifelter Männer macht mich nervös…schlimmer als wenn 20 Frauen die beim Rückbildungsturnen über den Bachelor diskutieren…..

10.15 Uhr

Vom nordwestlichen Hang steigt rauch auf, wie muss ich dass deuten? Ich schlag mich zur Stellung durch die diesen Sektor verdeidigen soll……aber es gibt keine Grund zur Besorgniss dort. Es ist der Stumpen von Kaplan Leuenberger der mit Private Berger die Stellung hält. Der Kaplan lächelt mir nur zu, hebt den Daumen nach oben und ruft mir zu; „Jes Säiles“….was für ein Mannsbild denke ich mir und kehre erleichtert zum Kommandoposten zurück…..um erschüttert festzustellen dass offenbar immer noch (oder schon wieder) Mittagspause ist in der Mensa! Die Lage sieht düster aus, zumal Major jetzt hinter seinem Kommandposten am Boden liegt und mit Niederhaltefeuer über die Ameisen hinweg versucht zu treffen was es eben zu treffen gibt. Apropo Ameisen, Stulz scheint mittlerweile ebenfalls seine Gespräche mit diesen Geschöpfen intensiviert zu haben. Kaum mehr ist die Stellung in südwestlicher Richtung zu halten. Erschreckend auch das Bild das ich vom Platoon T. Schneiter nun zu Gesicht bekomme…..auch seine Leute besuchen nun in regelmässigen Abständen die Mensa und mir wird klar, dass noch weitere Gegner da sein müssen…….! ….wäre wohl besser gewesen wir hätten das Panzerwasser am Anfang gleich ausgesoffen, dann wären wir beschwingter unter gegangen……

10.45 Uhr

Wir stehen nun rund 200 Meter unterhalt des Hills….überrollt von nahezu 35 Männer die uns aufgerieben, gedemütigt und von unseren Stellungen vertrieben haben. Ich sehe enttäuschte Gesichter, wehmütige Blicke der Maulwürfe (und vom Kaninchen) hoch zu Ihren Stellungen….zu dem steigert sich die Angst dass die Stellungen geschändet werden könnten….ich sehe es gut in Ihren Augen und Ihre Kommentare sind nicht mehr wirklich euphorisch. Die Lage ist verzweifelt…..einen letzten Angriff starten wir um die Stellung zurück zu holen. Vergeblich, wir sterben allesamt im Kugelhagel. Für Aufheiterung sorgt unser Oberfahrer Fridu, der nun auch ein Gewehr ergreift um uns unter die schwitzenden Arme zu greifen….leider ohne Erfolg….es ist nun mal noch kein Meister vom Himmer gefallen. Wir versuchen es nun noch einmal mit einem letzten Zangenangriff. Uns allen ist bewusst wie unmöglich das Unterfangen ist. Es bleibt uns nichts anderes übrig als uns zum Ziel zu nehmen, Ehrenhaft und Standhaft zu sterben. Dignitas auf eine ganz neue Art und Weise. Wir verschieben uns um den Hügel rum um unseren letzten Angriff zu starten. Ich muss lächeln als wir am vereinbarten Angriffsziel ankommen…noch 6 Kameraden sind wir, aber fest entschlossen mit aller Wucht zu zuschlagen….als BOBler haben wir einen Ruf zu verteidigen…..ich bin erstaunt wie weit wir kommen, 2 Männer haben wir bereits aus dem Weg geräumt…doch dann stehen wir plötzlich vor einer Front, es scheint als sehe ich in diesem Moment mehr gegnerische Gewehrläufe als Bäume.

11.15 Uhr

Der Tod kam rasch, kaum Zeit sich vorher zu sammeln und die letzten Stunden Revue passieren zu lassen…..schmerzhaft war er dann doch noch, Blut läuft mir über die Wange….zumindest mit Kopfschuss gestorben und nicht an einen Arschschuss verblutet……   Fazit: Wenn ich daran denke, dass diese Gegner, die Russen und was sonst noch für Monster auf uns zugekommen sind, im Herbst erneut gegen uns kämpfen wollen steigen in mir Revanchegelüste hoch und die Hoffnung, das möglichst alle meine Kameraden von BOB einer meiner Seite dabei sein werden! Denn eines wissen diejenige, welche an diesem blutigen Samstag am Hill waren…..das wird heftig….und je heftiger desto besser!!!

Curahee und holen wir uns im Herbst unsere Ehre zurück!